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Homöopathie - eine wunderbare Alternative?

Autor: Nicol
Webcode: EFAANR

Homöopathie - eine wunderbare Alternative?

Wenn die Kinder krank werden, stehen die Eltern immer wieder vor der Frage: Was soll ich tun? Ist es besser, mein Kind schulmedizinisch zu behandeln oder gibt es nicht auch andere Alternativen, fernab von Antibiotika und Ähnlichem? Ja, die gibt es! Und die nennt sich einfach: Alternative Medizin.


Aber was versteht man darunter, was versteckt sich hinter den unterschiedlichen Behandlungsmethoden? Welche hilft und wie hilft sie eigentlich? Um euch einen besseren Überblick zu geben, starten wir jetzt unsere vierteilige Medizinserie rund um die alternative Medizin. Den Anfang macht die Homöopathie, die uns die Kantonal approbierte Homöopathin Ulrike Kessler, MSc Hom, erklärt und näherbringt.


hoppkids: Frau Kessler, können Sie uns erklären, was Homöopathie ist?
Kessler: Die Homöopathie wurde vor mehr als 200 Jahren vom deutschen Arzt Samuel Hahnemann begründet. Sie ist ein eigenständiges Heilverfahren, das sich als Alternative zur Schulmedizin sieht. Gleichzeitig ist die Homöopathie aber auch eine sehr moderne Therapie, weil sie ganzheitlich schaut und oft auch dann noch helfen kann, wenn die schulmedizinische Behandlung an Grenzen stösst.

hoppkids: Was unterscheidet die Homöopathie von der Schulmedizin?
Kessler: Es gibt vier prinzipielle Möglichkeiten, wie man Krankheiten behandeln kann. Man kann erstens das, was krankmacht, wegmachen, man kann zweitens das, was fehlt, ersetzen, drittens kann man Körperfunktionen medikamentös lenken oder man setzt viertens einen therapeutischen Reiz. Die ersten drei Möglichkeiten werden viel in der Schulmedizin genutzt, zum Beispiel, indem man Antibiotika gibt, um Bakterien unschädlich zu machen, oder Vitamine, um einen Mangel auszugleichen, und produziert der Körper zu viel Magensäure, setzt man Säureblocker ein.
Auch in der Naturheilkunde werden übrigens die drei ersten Prinzipien genutzt. So stellt man sich beispielsweise vor, dass bei einer Fastenkur oder im Rahmen von Ausleitungsverfahren sogenannte «Schlacken» aus dem Körper beseitigt werden. Die Pflanzenheilkunde ersetzt hingegen nicht nur fehlende Stoffe (beispielsweise Algen als natürlicher Ersatz von Spurenelementen), sondern reguliert auch Körperfunktionen (beispielsweise Soja oder Keuschlamm bei Beschwerden in der Menopause). Viele Massnahmen werden aber vor allem als heilsamer Reiz eingesetzt. Bei der Kneipptherapie wird zum Beispiel durch kalte Güsse die körpereigene Wärmeproduktion angeregt.
Die Homöopathie setzt fast ausschliesslich auf das Prinzip «heilsamer Reiz», obwohl auch Homöopathen natürlich ihre Patienten beraten, wie sie gesund leben können (Elimination von möglichen Krankheitsursachen), und in manchen Fällen setzen wir homöopathische Mittel durchaus auch einmal als Schmerzmittel ein. In den allermeisten Fällen gehen wir jedoch davon aus, dass der Organismus in der Lage ist, auf den Reiz zu reagieren - und sich damit selbst zu heilen.

hoppkids: Homöopathische Mittel sind potenziert. Was genau bedeutet das und wozu gibt es diese unterschiedlichen Potenzen?
Kessler: Ja, das ist interessant, dass die meisten Menschen sich für das Thema Potenzierung interessieren. Da wird ja auch viel drüber gespottet, wobei manche immer noch Potenzierung mit Verdünnung verwechseln. Homöopathisch wird ein Mittel nicht durch das Potenzieren, sondern indem es nach dem Ähnlichkeitssatz ausgesucht wird. Darauf komme ich gleich nochmal.
Hahnemann hat ja in einer Zeit praktiziert, in der viele Ärzte Massnahmen eingesetzt haben, die schlimme Nebenwirkungen hatten, wie zum Beispiel Aderlässe oder auch Quecksilber als Abführmittel. Er wollte, dass seine Medizin eben nicht schadet, sondern hilft. So kam er erst auf die Idee, die Mittel zu verdünnen, hat dann aber schnell gemerkt, dass er damit nicht weit kommt. Er hat dann experimentiert, und festgestellt, dass die Mittel sehr gut wirken, wenn er sie bei jeder Verdünnungsstufe schüttelt.
Die unterschiedlichen Potenzen haben sich dann historisch entwickelt. Ursprünglich hat Hahnemann einmal C-Potenzen vorgeschlagen - jede Stufe wird 1:100 verdünnt, und dann verschüttelt. Anfang des 20. Jahrhunderts hat man dann gemeint, man müsse sich ein bisschen an den damaligen Stand der Wissenschaft anpassen und hat D-Potenzen erfunden. Hier werden die Mittel 1:10 verdünnt, aber auch hier wird auf jeder Stufe verschüttelt. Sowohl C- als auch D-Potenzen werden meist als Globuli abgegeben - die berühmten homöopathischen Kügelchen. Ich verordne in meiner Praxis meistens Q-Potenzen, und zwar als Tropfen. Auch die Q-Potenzen gehen auf Hahnemann zurück, aber aus verschiedenen, ebenfalls historisch bedingten Gründen haben Homöopathen diese Zubereitungsform erst in den letzten zwanzig Jahren so richtig entdeckt.
Im Unterschied zu C- oder D-Potenzen kann man sie täglich geben und sie wirken meiner Beobachtung nach noch besser und tiefer als die Kügelchen. Aber es ist manchmal ein bisschen schwierig zu beurteilen, was das Mittel genau tut, daher gehören Q-Potenzen sicher nicht in die Hausapotheke, sondern sollten der Behandlung durch professionell arbeitende Homöopathen mit guter Ausbildung vorbehalten bleiben.

hoppkids: Wie finde ich das richtige Mittel, sei es für mich oder für mein Kind? Gibt es da einen Orientierungsfaden?
Kessler: Ja, den gibt's - aber es ist nicht so einfach, wie es sich vielleicht anhört.
Der wichtigste Leitsatz bei der Verordnung von homöopathischen Mitteln ist der schon erwähnte Ähnlichkeitssatz. «Wähle, um sanft, schnell, gewiss und dauerhaft zu heilen, in jedem Krankheitsfalle eine Arznei, welche ein ähnliches Leiden (omoion pathos) für sich erregen kann, als sie heilen soll». Kurz ausgedrückt: Ähnliches werde durch Ähnliches geheilt. Von omoion pathos leitet sich übrigens auch der Name Homöopathie ab. Daran sieht man ja schon, dass die Ähnlichkeit das Entscheidende ist, nicht die Potenz.
In der Praxis funktioniert das so, dass ich einerseits genau schaue, wie die Symptome des Patienten sind, und andererseits die homöopathische Arzneimittellehre so gut kenne, dass ich ein Mittel finde, dessen Prüfungssymptome den Symptomen des Kranken ähnlich sind. Homöopathen verordnen also nicht nach Diagnosen, sondern nach den Symptomen des einzelnen Kranken. Das ist übrigens ein weiterer wichtiger Unterschied zur Schulmedizin.
Für interessierte Laien gibt es Ratgeber, die einen Kompromiss aus beidem darstellen. Diese sind einerseits nach Diagnosen geordnet (Husten, Kopfweh, Durchfall und so weiter) und andererseits versuchen sie natürlich auch darauf Rücksicht zu nehmen, dass jeder Mensch ein Individuum ist. Sie finden keine zwei Menschen, die genau gleich husten, die gleichen Kopfschmerzen, den gleichen Durchfall haben.
Auf meiner Homepage habe ich eine kleine Liste von empfehlenswerten Ratgebern zusammengestellt.

hoppkids: Was darf ich selbst therapieren und ab wann sollte ich mit meinem Kind zum Arzt?
Kessler: Grundsätzlich ist es von Vorteil, wenn Sie sich eine homöopathische Hausapotheke zutun. Es gibt nämlich in der Tat einige homöopathische Arzneimittel, die bei akuten Erkrankungen häufiger angezeigt sind. Die selbst verordnete Einnahme homöopathischer Arzneimittel ist jedoch nicht unproblematisch. Wenn Sie nämlich ein Mittel zu lange nehmen, kann es sein, dass es Symptome hervorruft - wir sprechen in solchen Fällen von unfreiwilligen Arzneimittelprüfungen.
Am besten ist es, wenn Sie sich, beziehungsweise Ihr Kind kurz beim Homöopathen, bei der Homöopathin vorstellen. Diese kann sie dann am besten beraten, wenn - wie das ja oft der Fall ist - das Kind am Wochenende oder nachts plötzlich Fieber bekommt oder Zahnschmerzen. Wenn Sie dann eine Hausapotheke zuhause haben, entfällt oft die zeitraubende (und am Wochenende oft gar nicht mögliche) Beschaffung der Mittel, und Sie können, nach entsprechender Anweisung, gleich mit der Einnahme beginnen.
Andererseits habe ich auch schon sehr kompetente «Homöopathiemütter» erlebt, die ihre Ratgeber gut gelesen haben und leichte Erkrankungen bei ihren Kindern ganz wunderbar behandelt haben. Das hilft dann auch, wenn die Kinder mal ernsthaft erkranken, weil diese Mütter dann dem Homöopathen, der Homöopathin ihre Kinder oft gut beobachten und beschreiben können.
Zum Arzt müssen Sie, wenn die Kinder zum Beispiel hohes Fieber über mehrere Tage haben und nicht genug trinken, oder wenn sie trotz Kügelchen aus der Hausapotheke über mehrere Wochen husten. In einem guten Ratgeber finden Sie dazu jeweils ganz genaue Hinweise. Holen Sie sich immer Hilfe, wenn Sie das Gefühl haben, es ist jetzt nicht mehr gut.

hoppkids: Wie dosiere ich richtig?
Kessler: Ich sage immer: So viel wie nötig und so wenig wie möglich. Bei einer akuten Erkrankung lösen Sie etwa 3-5 Kügelchen in einem halben Glas Wasser auf, rühren kräftig mit einem Plastiklöffel um, und dann geben Sie, je nach Intensität der Symptome, alle 10 oder 20 Minuten (oder auch in längeren Abständen) ein Löffelchen oder einen kleinen Schluck. Wichtig ist, dass Sie damit aufhören, sobald sich die Symptome verändern, das heisst, wenn eine Verbesserung oder Verschlechterung eintritt. Dann reagiert nämlich bereits der Organismus auf den therapeutischen Reiz. Da muss man aufmerksam sein, dass man diese Reaktion nicht stört. Einfach ein wenig abwarten und beobachten.

hoppkids: Wie kann ich die Behandlung positiv unterstützen (was sollte ich vermeiden)
Kessler: Da können Sie eine ganze Menge tun! Von der Ernährung, über Bewegung, bis hin zur Psychohygiene. Ballaststoffreiche, ausgewogene, möglichst biologisch erzeugte Nahrungsmittel, wenig Zucker, Schweinefleisch und Weissmehl. Genügend trinken! Vielseitige und regelmässige Bewegung, die sowohl Ausdauer, Beweglichkeit, Kraft und Gleichgewichtssinn trainiert. Treppen laufen statt Lift nehmen. Rechtzeitig zu Bett gehen, sich ausreichend Zeit zum Schlafen nehmen, eine ruhige Schlafumgebung. Probleme aktiv angehen, statt sie vor sich herzuschieben. Mal über sich selbst lachen, Hobbys pflegen. Solche Aktivitäten tragen viel dazu bei, dass Sie sich besser fühlen.

hoppkids: Sie selber haben eine eigene Praxis. Was hat Sie dazu bewegt, homöopathisch zu arbeiten?
Kessler: Als Kind hatte ich ganz schlimm «Ekzem» - heute würde man dazu Neurodermitis sagen. Später litt ich unter Heuschnupfen und Asthma und entwickelte mit der Zeit Allergien auf viele Lebensmittel. Von Zuhause kannte ich es nicht anders, als dass man dann zu schulmedizinischen Massnahmen greift.
Meine gesundheitliche Situation wurde aber zunehmend schlechter, bis ich schliesslich als junge Studentin mal bei einem Homöopathen landete. Der beeindruckte mich zutiefst, weil ich hier hier zum ersten Mal erlebte, dass sich jemand tatsächlich die Zeit nahm und mir lange zuhörte. Er gab mir ein paar Bücher zu lesen, damit fing eigentlich alles an.hier zum ersten Mal erlebte, dass sich jemand tatsächlich die Zeit nahm und mir lange zuhörte. Er gab mir ein paar Bücher zu lesen, damit fing eigentlich alles an. hier zum ersten Mal erlebte, dass sich jemand tatsächlich die Zeit nahm und mir lange zuhörte. Er gab mir ein paar Bücher zu lesen, damit fing eigentlich alles an


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